Zitate aus der Waldorfbewegung selbst

Hier finden Sie Zitate zum katastrophalen Verlust der inneren Substanz der Waldorfbewegung - von Vertretern dieser Bewegung selbst. 

 

Stefan Leber: Führender Vertreter der Bewegung in den 70er Jahren.

"Der Geist ist verduftet"
, bedauert Leber und verweist auf das zunehmende Komfort- und Anspruchsdenken der heutigen Kollegen. Statt dass sich jeder einzelne Lehrer als pädagogischer Unternehmer verstehe, grassiere die Arbeitnehmermentalität. Heute werde Masse verwaltet, nicht mehr für Ideen gekämpft.
Es mangele an enthusiastischem Einsatz nicht nur für die pädagogischen, sondern auch die gesellschaftlichen Fragen der Waldorfpädagogik. "Dass man den wissenschaftlich-akademischen Kram nachmachen will - damit ist man auf dem falschen Dampfer, denn er hat kein ideelles Gegengewicht", resümiert Leber. "Die Waldorfschulbewegung befindet sich auf einer Durststrecke", denn es fehlen die geistigen Impulse.
Mathias Maurer: Ein Arbeiter am Menschen. Stefan Leber prägte die Waldorfschulbewegung. Ein Portrait. Erziehungskunst 05/2014, S. 42f.

Valentin Hacken: 2007-12 Vorstand der WaldorfSV / Bundesschülerrat.

Jedes Kollegium hat seine Despoten [...] intellektuell grausam beengte Herrscher über das Schulgeschehen.
[...] Böse gesagt, es speist sich ein nicht unerheblicher Teil der Lehrerschaft aus Menschen, die in ihrem vorherigen Leben gescheitert sind und nun in der Gegenwirklichkeit der Gruppe aufgefangen werden. [...]
Das hat zum einen dazu geführt, dass sich eine geradezu parasitäre Beraterindustrie entwickelt hat, in der die Schulen und Verbände jedes Jahr hunderttausende Euro verbrennen und dazu, dass Feste wie Monatsfeiern eben dringend gebraucht werden für die Gemeinschaft, ein magischer Trick der Selbstvergewisserung, Umformung dessen, was man eigentlich nicht mehr glaubt. Dann kommt es zu Monatsfeiern, bei denen die Schüler ihre Aufführung nicht mehr als ihre erleben, sondern als Tanzbären für die wunden Seelen der Zuschauer gezeigt werden. Entlasten könnte man die Kollegien, indem man die Kompetenzen des Bunds der Freien Waldorfschulen (BdFWS) massiv stärkt, eine verbindliche Qualitätskontrolle einführt, einen Blick von außen, eine Korrektur. Doch dagegen wehren sich die Schulen mit Händen und Füßen, weil sie ihre Freiheit in Gefahr sehen. Doch sie schützen damit Versagen, Überforderung, Ineffizienz, nicht die Freiheit, mit ihren Schülern zu arbeiten. [...]
Sobald eine Schule in den BdFWS aufgenommen ist, kann sie nahezu tun und lassen was sie will, solange sie ihre Beiträge zahlt, nicht gerade die Schüler geschlagen werden und die staatliche Schulaufsicht einschreitet. [...] In meiner Zeit beim BdFWS habe ich erlebt, dass den Verantwortlichen all diese Probleme durchaus bewusst sind. Ich wünsche mir da vor allem mehr Mut, mehr Radikalität. [...] Ich finde es weniger tragisch, Mitglieder zu verlieren, als schlechten Schulen den Namen Waldorfschule zu geben. Ich denke, der Bundesvorstand muss hier absolut die Konfrontation wagen und aufzeigen, was eigentlich auf dem Spiel steht [...]. Man kann doch nicht noch mal hundert Jahre davon leben, dass man irgendwie nicht all zu schlecht ist. [...]
Wer [...] kritisiert, setzt sich dem Verdacht aus, nicht der gemeinsamen Sache dienen zu wollen und ungeheuer schnell greift die Unterscheidung in innen und außen, Freund und Feind, für uns und dagegen. [...]
Gute Aussichten haben die, welche den Stillstand verwalten, die Bestände sichern und das gut kaschieren wollen, durch minimale Korrekturen und einen freundlichen Anstrich. [...]
"Man kann doch nicht noch hundert Jahre davon leben, dass man irgendwie nicht all zu schlecht ist". Ein Gespräch mit Valentin Hacken. Waldorfblog, 24.3.2014.

Ansgar Martins: hemaliger Waldorfschüler, Autor von "Waldorfblog".

Ich kenne Schulen, in denen sind [...] die anthroposophischen Vorstellungen [...] vollends zum Phrasenhaften geworden. Natürlich glauben alle, dass sie diese irgendwie erfüllen, aber die Zielsicherheit, wie sich welche „menschenkundliche“ Angabe zur Praxis verhält, ist völlig erodiert. [...] Statt interner Konferenzen haben zuweilen Geschäftsführer die zentrale Überblicks- und Beraterfunktion und sitzen in jedem, ohne sie fast blinden, Schulgremium. [...] Pädagogische Konzepte werden Minimalkonsense, die für den Unterricht meistens irrelevant sind. [...]
Mir scheinen die Lehrer oftmals fragmentiert nebeneinander her zu arbeiten, solange, bis es verlässlich wieder einmal zu Beschwerden oder Konflikten mit Schülern, Eltern und anderen Lehrern kommt. [...] Es kommt [...] zu Rangeleien, Machtkämpfen, Mobbing, gelegentlich auch mal zu juristischen Auseinandersetzungen.
"Man kann doch nicht noch hundert Jahre davon leben, dass man irgendwie nicht all zu schlecht ist". Ein Gespräch mit Valentin Hacken. Waldorfblog, 24.3.2014.